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Aktuelle Themen

Epilepsie-Petition

Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) gefährdet Fortschritte in der Epilepsie-Behandlung

Stellungnahme zur Nutzenbewertung von Perampanel durch das IQWiG

Missstände in der Arzneimittelversorgung für Menschen mit Epilepsie

Festbetrag für Levetiracetam


Epilepsie-Petition

Der Deutsche Bundestag möge eine Reform des Arzneimittelneuordnungs-gesetzes/AMNOG beschließen, um die Versorgung aller therapieresistenten Menschen mit Epilepsien mit neuen Medikamenten auch in Deutschland sicherzustellen und so die systematische Benachteiligung deutscher Patienten gegenüber anderen Betroffenen in Europa zu stoppen.

Begründung:
In Deutschland leben rund 800.000 Menschen mit Epilepsie, davon sind ca. 30% therapieresistent. Das bedeutet, dass etwa 200.000 Menschen mit den zurzeit verfügbaren Arzneimitteln oder anderen Therapieformen keine Anfallsfreiheit erlangen. Für diese Patienten werden dringend neue Medikamente benötigt, damit sich nach jahrelangen frustrierenden Versuchen eine ganz neue Chance auf Anfallsfreiheit und auf eine Verbesserung der Lebensqualität ergibt. Also Präparate, die einen erheblichen Patientennutzen aufweisen und daher unbedingt vor allem therapieresistenten Patienten zugänglich gemacht werden müssen.

Neue Arzneimittel stehen seit 2011 in Deutschland nur dann allen Patienten zur Verfügung, wenn sie neben der Zulassung durch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) auch noch eine Überprüfung durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) erfolgreich bestehen (Frühe Nutzenbewertung nach dem Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz/AMNOG). Dazu muss der Hersteller nachweisen, dass ein Medikament besser ist als bereits verfügbare Standardtherapien für denselben Anwendungsbereich, dass es also über einen so genannten „Zusatznutzen“ verfügt.

Für die meisten Krankheitsbereiche ist diese Regelung sinnvoll. Für Epilepsien sind diese Vorgaben jedoch gar nicht zu erfüllen, denn: Es gibt keine Standardtherapie, gegen die man neue Medikamente testen kann. Epilepsiepatienten reagieren auf Therapien ausgesprochen individuell - selbst wenn sie an der gleichen Form der Epilepsie erkrankt sind: Bei einem Patienten wirkt ein Medikament und der Patient hat keine Anfälle mehr, während bei einem anderen Patienten nur Nebenwirkungen auftreten. Bei einem anderen Medikament kann es sich genau umgekehrt verhalten. Das ist auch der Grund, warum ein direkter Vergleich zwischen zwei Epilepsiemedikamenten zur Bestimmung des Zusatznutzens nicht sinnvoll ist. Gerade therapieresistente Patienten haben oft viele unterschiedliche Therapieversuche hinter sich, die sich nicht mit denen anderer vergleichen lassen.

Seit Einführung des Arzneimittelneuordungsgesetzes/AMNOG sind zwei wirksame Antiepileptika (= Medikamente gegen Epilepsie) von der EMA zugelassen worden. Unter den aktuell geltenden Bedingungen ist es von vornherein nicht möglich, den Beweis für einen Zusatznutzen/Patientennutzen zu führen. So sind beide Präparate aus rein methodischen Gründen an der frühen Nutzenbewertung durch den G-BA gescheitert, ohne Berücksichtigung des realen Nutzens für den Patienten.

Hätten die heute geltenden Regelungen bereits vor zwanzig Jahren gegolten, wäre seitdem kein einziges Medikament gegen Epilepsie mehr in Deutschland eingeführt worden. Essentielle Fortschritte in der Epilepsiebehandlung wären nicht möglich gewesen.

Folge der Ablehnung:
Seit Einführung des Arzneimittelneuordnungsgesetzes/AMNOG in Deutschland stehen diese Medikamente genau denjenigen Betroffenen nicht zur Verfügung, die nicht anfallsfrei sind und dringend neue Therapiemöglichkeiten benötigen - während im restlichen Europa nicht anfallsfreie Betroffene davon profitieren.

Damit wurde bei Epilepsie der Gedanke des Zusatznutzens komplett vom Gedanken des Patientennutzens entkoppelt. Die Gesundheitspolitik verfehlt somit ihr ursprüngliches Ziel, das Wohl des Patienten zu fördern. Wir brauchen für die Epilepsie eine Rückbesinnung auf dieses ursprüngliche Ziel. Wenn nur 5% der therapieresistenten Patienten mit einem neuen Präparat anfallsfrei werden, so kommt dies mindestens 10.000 Menschen zugute - ein enormer Zusatznutzen!

Wir fordern im Einzelnen:
Erkennen Sie an, dass ein versorgungsrelevantes Problem bei Epilepsie besteht und berücksichtigen Sie dies bei der Gesetzgebung!

Schaffen Sie Lösungsmöglichkeiten bei der frühen Nutzenbewertung von Epilepsiemedikamenten für therapieresistente Patienten, deren Krankheit eine ausgesprochen individuelle, maßgeschneiderte Therapie erfordert!

Schaffen Sie eine weitere Bewertungskategorie „zusätzliche Behandlungsoption für therapieresistente Patienten“ zur Bestimmung des Zusatznutzens. (neben Mortalität, Morbidität und Lebensqualität)!

Weitere Hintergrundinformationen: epilepsie-petition.de

Autoren:
Susanne Fey/Doris Wittig-Moßner


Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) gefährdet Fortschritte in der Epilepsie-Behandlung

In seiner Sitzung vom 06.11.2014 hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) entschieden, dass für das Antiepileptikum Fycompa® (Perampanel) kein Zusatznutzen im Vergleich zu konventionellen Antiepileptika nachgewiesen werden kann.

Damit ist das zweite Epilepsiemedikament an den Vorgaben des G-BA zur Überprüfung des Zusatznutzens gescheitert. Wohlgemerkt, es geht hier nicht um den Nutzen, denn dieser wurde für Perampanel bereits 2012 von der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) bestätigt.

Für uns als Vertreter der Epilepsie-Selbsthilfe in Deutschland ist dieser Beschluss unbegreiflich. Weder wurden die Einwände der Fachgesellschaft DGfE berücksichtigt, noch die Erfahrungen der Patienten, die mit diesem neuen Antiepileptikum anfallsfrei geworden sind, bzw. eine deutliche Reduktion der Anfälle erfahren haben.

Der Vorsitzende des G-BA, Josef Hecken, betont zwar in seiner Stellungnahme vom 11.11.2014, dass der G-BA sehr deutlich die dringende Behandlungsbedürftigkeit von Patienten mit epileptischen Anfällen sieht. Aber während in allen anderen europäischen Ländern Placebo-kontrollierte Studien ausreichend sind, um eine Kostenübernahme der Behandlung mit Medikamenten im Rahmen der Arzneimittelversorgung des jeweiligen Landes sicherzustellen, verlangt der deutsche G-BA zusätzliche und aus unserer Sicht ethisch nicht vertretbare Studien. Regelungen, die ursprünglich geschaffen wurden, um Kosten auf dem Medikamentensektor einzusparen.

Damit werden Patienten in Deutschland gegenüber Patienten aus dem Rest Europas schwer benachteiligt. Das können und wollen wir nicht einfach so hinnehmen!

Es gibt in Deutschland nach Angaben der DGfE geschätzt 200.000 Patienten, die mit den vorhandenen Medikamenten nicht oder nur sehr unzureichend behandelt werden können. Wenn davon 10-15 Prozent mit Perampanel anfallsfrei werden (wie Herr Hecken in seiner Stellungnahme selbst feststellt), dann sind das immerhin 20.000 bis 30.000 Menschen, denen man ein anfallsfreies Leben vorenthält. 20.000 bis 30.000, die dann ganz normal ihrer Arbeit nachgehen könnten, die nicht immer wieder stationär behandelt werden müssten und so Kosten verursachten, die eigentlich überflüssig wären. Hier wird das Argument der Kosteneinsparung ad absurdum geführt.

Wir fordern den G-BA auf, den aus unserer Sicht, sowohl in der Praxis, als auch durch Studien belegten Zusatznutzen von Perampanel anzuerkennen und seinen Beschluss zu revidieren. Wir appellieren an alle Entscheidungsträger im Gesundheitswesen und der Politik, sich gemeinsam mit uns dafür einzusetzen, dass auch die Menschen mit Epilepsie, die bisher als therapieresistent gelten, weiterhin eine Chance bekommen und auch sie von den Fortschritten im Bereich der medikamentösen Epilepsiebehandlung profitieren können.

Autoren:
Susanne Fey/Doris Wittig-Moßner

Unterzeichner:
Deutsche Epilepsievereinigung e.V. (Bundesverband und Landesverbände Berlin-Brandenburg, Niedersachsen, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt)
e.b.e. epilepsie bundes-elternverband e.V.
Dravet-Syndrom e.V.
Landesverband Epilepsie Bayern e.V.
Landesverband der Epilepsie-Selbsthilfegruppen Baden-Württemberg e.V.
Landesverband für Epilepsie-Selbsthilfe Nordrhein-Westfalen e.V.

Weitere Informationen:


Stellungnahme zur Nutzenbewertung von Perampanel durch das IQWiG

Stellungnahme zur Nutzenbewertung des Antiepileptikums Fycompa® (Wirkstoff: Perampanel) durch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) vom 15.08.2014

Wir – die unterzeichnenden Epilepsie-Selbsthilfeverbände Deutschlands – machen uns große Sorgen darüber, dass für Menschen mit schwerbehandelbaren Epilepsien in Deutschland neue, wirksame Medikamente zur Epilepsiebehandlung in Zukunft nicht mehr erhältlich sein werden. Wir fordern alle Entscheidungsträger im Gesundheitswesen – vor allem aber den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) – auf, dieser absehbaren Entwicklung entschieden entgegenzuwirken.

Hintergrund unserer Sorge: der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat bereits zum zweiten Mal den Zusatznutzen für ein neues Medikament zur Epilepsiebehandlung als methodisch nicht belegt und damit nicht gegeben bewertet – 2012 für Trobalt® mit dem Wirkstoff Retigabin (im Folgenden: Retigabin) und 2013 für Fycompa® mit dem Wirkstoff Perampanel (im Folgenden: Perampanel) – obwohl aus unserer Sicht ein Zusatznutzen beider Wirkstoffe eindeutig gegeben ist.

2014 hat der Hersteller von Perampanel – die Firma Eisai – erneut ein Dossier zum Beleg des Zusatznutzens dieses Medikaments vorgelegt. Nach Prüfung dieses Dossiers kam das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zu dem Schluss, dass ein Zusatznutzen des Perampanel nicht belegt sei, da der pharmazeutische Unternehmer „keine relevanten Daten für die Bewertung des Zusatznutzens gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie“ vorlege. Eine Entscheidung des G-BA – der auch eine von der Bewertung durch das IQWiG abweichende Position einnehmen kann – steht derzeit noch aus.

Warum brauchen wir in Deutschland dringend neue Medikamente zur Epilepsiebehandlung?

Epilepsien gelten als gut behandelbare neurologische Erkrankungen, bei denen in vielen Fällen mit Hilfe einer medikamentösen Therapie Anfallsfreiheit erreicht werden kann. Ist dies nicht möglich, stehen für einen Teil der Betreffenden weitere Behandlungsmöglichkeiten (z.B. die Epilepsiechirurgie) zur Verfügung. Mit einer Anfallsfreiheit eröffnet sich die Perspektive, ein von der Epilepsie weitgehend unbeeinträchtigtes Leben zu führen – auch wenn die Medikamente in der Regel weiter eingenommen werden müssen.

Leider gibt es jedoch eine nicht zu vernachlässigende Gruppe (etwa 20 – 30 Prozent der Betreffenden; das entspricht 100.000 – 150.000 anfallskranke Menschen in Deutschland), bei denen keine der verfügbaren Behandlungsoptionen zur Anfallsfreiheit oder zu einer deutlichen Reduktion der Anfälle führt. Die Lebensqualität dieser Menschen ist in der Regel erheblich beeinträchtigt; bei ihnen wurden alle Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft, ohne zu einem zufriedenstellenden Ergebnis zu führen. Diese Menschen gelten als therapieresistent und nehmen dies auch so wahr, da ihnen bisher keiner der vielen Ärzte und Ärztinnen, bei denen sie im Verlaufe ihrer Erkrankung in Behandlung waren, wirksam helfen konnte.

Für einen Teil dieser bisher als therapieresistent geltenden Menschen haben sich durch die in den letzten Jahren neu hinzugekommenen Medikamente zur Epilepsiebehandlung neue Perspektiven eröffnet: eine deutlich bessere Anfallssituation (weniger Anfälle bzw. Anfallsfreiheit) und/oder eine bessere Verträglichkeit (weniger Nebenwirkungen, weniger Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten). Für diejenigen, die von den neuen Medikamenten profitiert haben, sind die Voraussetzungen für eine erhebliche Verbesserung ihrer Lebensqualität (berufliche und soziale Situation, psychische Befindlichkeit) gegeben. Aus diesem Grund ist es zwingend erforderlich, dass in Deutschland auch weiterhin neue Medikamente zur Epilepsiebehandlung zur Verfügung stehen.

Sicherlich führt nicht jedes neue Medikament bei jedem bisher therapieresistenten anfallskranken Menschen zu einer Verbesserung des Behandlungsergebnisses – beim Perampanel jedoch ist aus unserer Sicht ein Zusatznutzen eindeutig gegeben, da uns eine Reihe von anfallskranken Menschen bekannt sind, die von diesem Medikament eindeutig profitiert haben. Diesen Menschen ist schlichtweg nicht zu vermitteln, warum Perampanel keinen Zusatznutzen haben soll – widerspricht diese Einschätzung doch offensichtlich ihrer eigenen Erfahrung.

Warum sieht das IQWiG den Zusatznutzen von Perampanel als nicht belegt an?

Das IQWiG kommt in seiner Dossierbewertung des pharmazeutischen Unternehmers (pU) zu folgendem Schluss: „Der pU legt keine relevanten Daten für die Bewertung des Zusatznutzens von Perampanel gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie vor.“ Das IQWiG macht in seiner Dossierbewertung keinerlei Aussagen zu einem vorhandenen oder nicht-vorhandenen Zusatznutzen von Perampanel – es bewertet lediglich das vom pharmazeutischen Unternehmer gewählte Studiendesign als nicht den Vorgaben des G-BA entsprechend.

Die Firma Eisai weist in ihrem Dossier darauf hin, dass der Zusatznutzen von Perampanel für die Gruppe der Epilepsie-Patienten geprüft wird, die an einer pharmakoresistenten und anhaltend aktiven Epilepsie leiden (Kriterium: Krankheitsdauer mehr als fünf Jahre). Es wird erläutert, dass für diese Gruppe von Epilepsiepatienten die vorhandenen medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten weitgehend ausgeschöpft sind, „ ... für die also eine Erweiterung oder Umstellung der patientenindividuellen Basistherapie unter Berücksichtigung der momentanen zur Zusatztherapie zugelassenen AEDs vom behandelnden Arzt als aussichtslos betrachtet wird“ (AED = Antiepileptikum).

Dem hält das IQWiG in seiner Dossierbewertung entgegen, dass mit den bisher verfügbaren Medikamenten zur Epilepsiebehandlung (ohne Perampanel) „ ... eine individuelle Optimierung der medikamentösen Behandlung bei Patienten mit Epilepsie, die trotz antiepileptischer Therapie nicht anfallsfrei sind, sowohl sinnvoll als auch möglich ist“. Daraus wird abgleitet, dass – entgegen der Aussagen der Firma Eisai – eine zweckmäßige Vergleichstherapie mit einem der genannten bisher zur Verfügung stehenden Wirkstoffe möglich ist.

Dieser Einschätzung widersprechen wir entschieden, da sie an der Realität vollkommen vorbeigeht. Bei einer fachgerechten Epilepsiebehandlung, die bei der Studienpopulation vorausgesetzt werden kann (alle Studienteilnehmer werden in spezialisierten Zentren behandelt), ist davon auszugehen, dass bei den Probanden mit keiner der für die Epilepsiebehandlung derzeit verfügbaren Substanzen (ob in Kombinations- oder Monotherapie) eine wesentliche Verbesserung der Anfallssituation zu erwarten ist, da schon alle derzeit möglichen Behandlungsoptionen ausgeschöpft sind. Eine Verbesserung der Behandlungssituation bei dieser Gruppe von Patienten ist nur möglich mit einem Präparat, das bisher noch nicht verfügbar war. Dies zu negieren, mag theoretisch plausibel klingen, zeugt allerdings von einer profunden Unkenntnis der Realität der Epilepsiebehandlung.

Wir halten das von der Firma Eisai gewählte Studiendesign zur Bewertung des Zusatznutzens (Test gegen Placebo) für die Studienpopulation für das einzig mögliche. Damit wird das umgesetzt, was die Deutsche Epilepsievereinigung bereits 2013 in ihrer „Stellungnahme zur Bewertung des Zusatznutzens für neue Medikamente zur Epilepsiebehandlung am Beispiel von Retigabin und Perampanel“ gefordert hat (veröffentlicht auf www.epilepsie-vereinigung.de). Dieses Studiendesign wird auch von der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie (DGfE) als sinnvoll und geeignet betrachtet, den Zusatznutzen von Perampanel zu prüfen.

Aus unserer Sicht ergibt sich aus den von der Firma vorgelegten Daten eindeutig ein Zusatznutzen, der auch unseren Erfahrungen aus der Praxis entspricht. Wir kennen eine Reihe von Epilepsiepatienten, deren Anfallssituation sich durch den Einsatz von Perampanel als Zusatztherapie deutlich verbessert hat. Anfallskranken Menschen, die von dem Medikament eindeutig profitieren, zu sagen, dass eben dieses Medikament keinen Zusatznutzen hat, erscheint uns unsinnig, ist nicht erklärbar und in keiner Weise nachvollziehbar.

Forderungen

Wir fordern den G-BA auf, den aus unserer Sicht sowohl in der Praxis als auch durch Studien belegten Zusatznutzen von Perampanel anzuerkennen.

Weiterhin müssen die Vorgaben für die Studien zur Bewertung des Zusatznutzens von Medikamenten zur Epilepsiebehandlung so geändert werden, dass mit ihnen eine Prüfung des Zusatznutzens möglich und sinnvoll ist (im Sinne der oben zitierten Stellungnahmen der Deutschen Epilepsievereinigung und der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie).

Darüber hinaus ist es zwingend erforderlich, die Kompetenz der medizinischen Fachgesellschaften – insbesondere die der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie (DGfE) – bei der Bewertung und Entscheidungsfindung über den Zusatznutzen neuer Medikamente zur Epilepsiebehandlung stärker als bisher zu berücksichtigen.

Wir appellieren an alle Entscheidungsträger im Gesundheitswesen, sich gemeinsam mit uns dafür einzusetzen, dass auch die Menschen mit Epilepsie, die bisher als therapieresistent gelten, weiterhin eine Chance bekommen und auch sie von den Fortschritten im Bereich der medikamentösen Epilepsiebehandlung profitieren können.

Berlin, den 18. September 2014
gez.
Deutsche Epilepsievereinigung e.V. (Bundesverband und Landesverbände Berlin-Brandenburg, Niedersachsen, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt)
epilepsie eltern-bundesverband e.V.
Dravet-Syndrom e.V.
Landesverband Epilepsie Bayern e.V.
Landesverband der Epilepsie-Selbsthilfegruppen Baden-Württemberg e.V.
Landesverband für Epilepsie-Selbsthilfe Nordrhein-Westfalen e.V.


Missstände in der Arzneimittelversorgung für Menschen mit Epilepsie

Berlin. Am Samstag, 6. September 2014, haben sich auf Initiative der Deutschen Epilepsievereinigung (DE) Vertreter aller Bundes- und Landesverbände der Epilepsie-Selbsthilfe in Deutschland in Berlin getroffen. Das Hauptthema war, wie sich die Selbsthilfeverbände positionieren können angesichts einer Entwicklung im Bereich der Versorgung mit Antiepileptika, die die Behandlung vieler Tausender Patienten gefährdet.

Epilepsien sind eine der häufigsten Erkrankungen des Zentralen Nervensystems. Bei anfallskranken Menschen kommt es wiederholt zu unvorhersehbaren epileptischen Anfällen, die sich sehr unterschiedlich äussern – zum Beispiel in kurzen „Aussetzern“ oder in Handlungen, die die Betreffenden nicht kontrollieren können bis hin zu „Zuckungen“ einzelner Körperteile oder des ganzen Körpers, in der Regel verbunden mit einem Verlust des Bewusstseins und Stürzen. In Deutschland sind etwa 500.000 Menschen an einer Epilepsie erkrankt. Die Lebensqualität anfallskranker Menschen ist oft erheblich beeinträchtigt. Epilepsien gelten als medikamentös gut behandelbare Erkrankungen – dennoch gibt es eine Gruppe von 20 bis 30 Prozent der Betreffenden, bei denen mit den bisher bestehenden Möglichkeiten eine Anfallsfreiheit nicht erreicht werden kann.

Wir als Selbsthilfeverbände befürchten, dass zukünftig keine neuen Medikamente zur Epilepsiebehandlung in Deutschland mehr erhältlich sein werden – obwohl dies dringend erforderlich ist. Hintergrund ist eine aus unserer Sicht falsche Umsetzung des Arzneimittelmarktneuordnungsgesetzes (AMNOG), die dazu führt, dass der vorhandene zusätzliche Nutzen neuer Medikamente zur Epilepsiebehandlung aus formalen Gründen nicht belegt werden kann.

Am 15. August 2014 hatte das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) das Dossier des Herstellers des Antiepileptikums Fycompa ® – das Pharmaunternehmen Eisai – abschließend bewertet und festgehalten, dass der Hersteller für dieses Antiepileptikum keinen Zusatznutzen belegt habe. Diese Einschätzung teilen wir als Epilepsie-Selbsthilfeverbände nicht, weil es eine Gruppe von Patienten gibt, die durch Fycompa ® deutlich weniger Anfälle haben oder sogar anfallsfrei geworden sind – Patienten, bei denen mit anderen Medikamenten oder weiteren Behandlungsmöglichkeiten (zum Beispiel Epilepsiechirurgie) keine Besserung erreicht werden konnte.

Die Epilepsie-Selbsthilfeverbände fordern den Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) dazu auf, den Zusatznutzen für Fycompa ® anzuerkennen. Des Weiteren müssen die Vorgaben für die Studien zur Bewertung des Zusatznutzens bei Antiepileptika durch den GBA geändert werden. Die Kompetenz der medizinischen Fachgesellschaften – insbesondere der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie (DGfE) – muss bei der Bewertung und Entscheidungsfindung stärker berücksichtigt werden.

Der GBA ist das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland. Er untersteht der Fachaufsicht des Bundesministeriums für Gesundheit und legt fest, welche Leistungen der medizinischen Versorgung von den Gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden.


Festbetrag für Levetiracetam

Festbetrag für Levetiracetam seit dem 1. Juli 2014. Hohe Patienten-Zuzahlung für Original-Präparat.

Seit dem 1. Juli 2014 gelten für etliche Wirkstoffe neue Festbeträge – darunter auch für alle oralen festen Formen mit dem Wirkstoff Levetiracetam.

Einige Pharmahersteller haben allerdings den Preis nicht auf den von den Krankenkassen vorgegebenen Festbetrag abgesenkt, so dass jetzt auf die Patienten Aufzahlungen zukommen.

Auch der Hersteller des Originalpräparates Keppra®, die Firma UCB Pharma GmbH, hat keine Preissenkung auf Festbetragsniveau vorgenommen, sondern dies nur für sein eigenes Generikum Levetiracetam UCB® getan. Somit müssen Betroffene bei Verordnung des Originalpräparats unter dem Namen Keppra® neben der normalen Zuzahlung ab 1. Juli 2014 auch die Differenz zwischen Festbetrag und Apothekenabgabepreis als deutliche Aufzahlung leisten – was in vielen Fällen mehrere hundert Euro pro Packung betragen kann.

Beispiel: Der Festbetrag für 100 Tabletten Levetiracetam 500 mg liegt bei EUR 41,85 (Apothekenpreis). Der Apothekenabgabepreis für Keppra®-Original beträgt EUR 197,34 (Stand: 1. Juli 2014). Die aufzuzahlenden Patientenkosten liegen somit bei über EUR 150,00.

Es empfiehlt sich daher der Wechsel von Keppra®-Original auf das Generikum Levetiracetam UCB®, das aus der gleichen Produktion und vom gleichen Hersteller kommt - beide sind somit zu 100% identisch. Die Umstellung auf das Generikum eines anderen Herstellers ist nicht ratsam. Im epiKurier-Artikel Generika in der Epilepsietherapie: Was ist zu beachten? sind weitergehende Informationen zum Thema Generika und Aut-idem zu finden.

Die Verordnung des Arztes darf in diesem Fall nicht mehr auf Keppra® mit Aut-idem-Kreuz lauten, sonst ist kein Wechsel möglich. Auf dem Rezept muss Levetiracetam UCB® mit Aut-idem-Kreuz stehen, sonst wird gegen ein anderes Levetiracetam-Präparat getauscht.

Weitere Hintergrundinformationen:
InVo, Information zu Verordnungen in der GKV, Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe pdfreaders.org